Naturverbundenheit entdecken
Im Naturschutz und in der Nachhaltigkeit sprechen wir oft darüber, was Menschen tun sollten. Viel seltener darüber, was überhaupt dazu führt, dass sie sich für Natur interessieren.
Ein Kind, das mit einem Fernglas einen Vogel entdeckt, denkt vermutlich nicht zuerst an „Biodiversität“. Es fragt sich eher: Was war das? Wo ist der Vogel hin? Was macht er da? Und genau dort beginnt Naturverbundenheit.
Auch mein Fernglas begleitet mich jedes Mal, wenn ich draußen unterwegs bin. Es war nicht besonders teuer und bei Dämmerung stößt es schnell an seine Grenzen – und trotzdem verändert es etwas. Ich schaue genauer hin.
Aus diesem Gedanken entstand auch ein freies Illustrationsprojekt für ein Kinderfernglas: Natur entdecken, kleine Abenteuer erleben. Für die Bilder habe ich deshalb mit einem ähnlichen Prinzip gearbeitet wie beim Blick durch ein Fernglas: Ein Teil des Motivs ist klar und scharf zu erkennen, während der Rest in Unschärfe verschwindet.
Bei Naturbeobachtung passiert genau das: Kleine Details rücken in den Fokus und gewinnen an Bedeutung. Ich glaube, dass diese Verbindung zur Natur zentral ist, wenn wir über Naturschutz sprechen – vielleicht macht sie ihn sogar erst möglich.
Naturverbundenheit entsteht durchs Hinsehen, durch Neugier, mehr darüber Wissen wollen.
Nicht nur ein Fernglas lenkt unseren Blick, auch Illustrationen können das. Sie können etwas hervorheben, das wir sonst übersehen hätten, komplizierte Zusammenhänge zugänglicher machen oder einen ersten Zugang schaffen.
Denn manchmal beginnt Interesse ganz einfach: Jemand bleibt stehen und schaut noch einmal hin. Und vielleicht wird aus diesem zweiten Blick irgendwann Neugier. Aus Neugier Wissen. Aus Wissen Verbundenheit. Und aus Verbundenheit schließlich der Wunsch, etwas zu bewahren.
Und als Illustratorin sehe ich das als Teil meiner Aufgabe: Menschen dazu bringen, genauer hinzusehen.


